Löwe und Sonne

Zum gestrigen Welt-Frauen-Tag hatte ich nichts geschrieben. Bewusst nichts geschrieben. Auch erwartete ich keinerlei „Glückwünsche“ von niemanden, da ich es a) nicht benötige und b) in Anbetracht der Tatsache, dass es in Sachen „Frauenrechte“ selbst in den achso modernen Ländern offensichtlich immer weiter zurückgeht, nicht sonderlich für angebracht. Mit der zeitgleichen völlig überdrehten, kindlichen, verzickten Hysterie gewisser Pseudo-Feministinnen, die eine Sekunde zu langes Schauen auf ihren Arsch oder ihre Hüften als halbe Vergewaltigung ansehen und dabei fast durchdrehen (am besten noch mit zeitgleichem Verständnis für andere „sexbesessene“ Kültüren. Nun ja, jeder halbwegs nicht-blinde Mensch weiss genau, von welcher Sorte Frau ich hier rede. Und jeder halbwegs gebildete Mensch weiss auch, dass besonders in dieser einen Gruppe von Ideologisten das tatsächliche Belästigen bis hin zu Vergewaltigen von Frauen im Vergleich besonders hohe Tendenzen aufweist. Deshalb – und aus vielen Gründen mehr, ist dieser Welt-Frauen-Tag für mich eher zu einer Farce geworden – und tut mir leid um all jene wahrhaften Damen, die sich WIRKLICH um die Rechte der Frauen gekümmert und gekämpft haben, OHNE dabei zum Mann zu mutieren und alles Männliche kleinhalten zu wollen. Wie dem auch sei, heute las ich irgendwo einen Text, den ich doch für würdig hielt, daran zu erinnern, was ein „Welt-Frauen-Tag“ wirklich bedeutet.

 


 

von Simon Jacob

„PEACEMAKER
ZUM WELTFRAUENTAG…

3 JAHRE VOM IS VERSKLAVT…

Es gibt Momente im Leben, die einen Menschen innehalten lassen. Es sind die Erlebnisse, die man zunächst, in Erinnerung an andere Gedanken, tief vergraben hat in den letzten Winkeln des Verstandes. Die man am liebsten für immer vergessen möchte.

Am liebsten nie wieder hören möchte.
Am liebsten…
Am liebsten einfach für immer und alle Zeit ungeschehen machen möchte.

Ich kann es nicht.

Und gerade das, dieses Gefühl der Hilflosigkeit, brennt sich immer wieder tief in mein Herz, wenn ich das Schicksal derer vernehme, die sich nicht wehren konnten und deren Seele in einem Ausmaß verletzt wurde, wie wir uns das nicht vorzustellen vermögen.

Rita, eine irakische Christin, wurde 2014 vom IS mit weiteren Frauen, vor allem Jesidinen, vom IS entführt und als Beute betrachtet. In Mosul wurde sie auf dem Sklavenmarkt verkauft. Dann mehrfach weitergegeben. Unter anderem an einen Saudi, der in Syrien eine Hauptfrau hatte und die junge Christin für seinen Gelüste missbrauchte.

Für Rita begann eine über drei Jahre dauernde Odysee furchtbarster Art. Wenn sie mir erzählt, wie sie gezwungen wurde Koranverse zu vernehmen, nur damit sie für den danach erzwungeben Beischlaf rein (halal) ist, kommen Erinnerungen und seelische Schmerzen in mir wieder hoch.
Und immer wieder dieses Gefühl, wieder nichts machen zu können.
Einfach machtlos daneben stehen zu müssen und zu sehen, wie Rita, stellvertretend für viele Frauen und fast kindliche Mädchen, immer wieder, mehrfach und von verschiedensten Dschihadisten, vergewaltigt wird.

Die Schreie dieser Mädchen und Frauen finden einen Widerhall im tiefen Ozean meiner dunklen Erinnerungen und verursachen Kopfschmerzen und Übelkeit bei mir.

Doch höre ich zu…
Ich höre bis zum Ende zu…

Und Rita, standhaft, erzählt mir ihre gesamte Geschichte, bis zur letzten Minute.
Und ich zeichne es auf Video auf.
Für die Nachwelt.
Für Rita…
Für alle Frauen, denen Abscheuliches angetan wurde.

Rita wurde vom SDF (Syrian Democratic Forces) letztes Jahr aus den Händen des IS in Syrien befreit. Sie hat sich entschieden bei einer christlichen Fraueneinheit zu bleiben, um nicht nur gegen die zu kämpfen, die ihr und vielen anderen Frauen dies angetan haben.

Sie hat sich fest dazu entschlossen, ich habe keine Zweifel daran, ihre Geschichte in die Welt zu tragen, auf dass patriarchalische Strukturen und die Dominanz des männlich dominierten Patriarchachts in der nahöstlichen Gesellschaft ein Ende finden.

Um endlich, wie sie es formulierte, als gleichwertig betrachtet zu werden.

Bevor ich Rita verließ, gab ich ihr mein Wort, sie dabei zu unterstützen.

Ganz besonders allen anderen Frauen die Leid erfahren haben…
Die wahres Leid nicht mit einem unnötigen, vielleicht plumpen, aber dennoch harmlosen Kompliment verwechseln, wünsche ich einen Weltfrauentag ohne Albträume, Ängste und Sorgen…

Letzter Tagebucheintrag Irak,
März 2018, Flughafen Bagdad“

 

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