Löwe und Sonne

Poesie

Poems of an Iranian shirzan:

https://shiroxorshid.wordpress.com/2011/01/09/proudly-present-hila-sedighi/

Gepostet: 09.01.2011

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Aus einer Zeit, in der man nicht mal zu träumen wagte, dass der Iran eine zweite Revolution erleben würde. Einer Zeit, wo ausserhalb Irans kaum jemand wahrnehmen wollte, wie es tatsächlich um Iran und Iraner stand.
Aus einer Zeit, in der Iraner ausser unter sich kaum Gehör fanden.
Aus einer Zeit, die spätestens seit 2009 bewiesen hat, dass diese Poesie die grausame Wirklichkeit der iranischen Machthaber wiedergibt:

Ey Iran – Ich klage an

Was ist nur aus dem prachtvollen Land geworden?
Das Land, von dem jeder Iraner schwaermt?
Ich war noch zu jung, um es in meinem Kopf zu orten,
und als ich alt genug war, entstand eine Wolke des Laerms.

Ey Iran, wie gern haette ich Dich erlebt in all Deiner Pracht!
Sie haben mir mein Land gestohlen, meine Wurzeln, meine Identitaet!
Es geschah alles so schnell, einfach so ueber Nacht.
Und all das ersetzt von baertigen Maennern, angeblich aus Religioesitaet.

Sie versprachen meinem Volk ein besseres Leben.
Doch weder damals noch heute ist es geschehen.
Seit 1979 hoeren und sehen wir nichts anderes als Luegen.
Hat uns die Revolution irgendetwas Gutes gegeben?

Hart sind die Sitten und trostlos die Zukunft der Menschen.
Und sei derjenige gewarnt, der sich ihnen in den Weg stellt.
Denn dann hat er das Schlimmste zu befuerchten:
Zerdrueckt wie eine Blume, die innerhalb von Sekunden verwelkt.

Ey Iran, was ist aus Deinen Schaetzen geworden?
Die Schoenheit der Menschen, dieses wunderbare Land?
Aus denen Geschichten wie aus 1001 Nacht geboren.
Ist es etwa schon innerlich verbrannt?

Die Angst, die in uns Iranern steckt, wo auch immer wir hinsehen.
Denn jeder weiss, ein kleiner Fehler hier und da.
Und Dir wird dasselbe Schicksal erbluehen.
Wer wird uns dann besuchen an unserem Grab?

Ey Iran, ich habe viel zu lange geschwiegen.
Ich mag nicht mehr schweigen nur aus Angst.
Ich weiss, ich muss diese Aengste besiegen.
Nur wenn wir gemeinsam aufstehen, haben wir eine Chance.

Vergiss niemals die Menschen, die viel staerker sind als Du und ich.
Ihr Leben soll nicht umsonst erloschen sein.
Sie taten es nicht nur fuer sich, auch fuer Dich und mich.
Als man erstickte ihren letzten Atemzug im Keim.

Vergiss auch nicht die jungen Frauen in unserem Land.
Deren Wuensche unter ihrem Schleier bleiben oft so unerhoert.
Jede von ihnen ist auf irgendeine Art und Weise mit uns verwandt.
Und doch so viele Maenner gibt es, die sich fuehlen durch sie gestoert.

Ey Iran, lass es bitte nicht weiter zu.
Dass eine einzige Iranerin durch ihren Mann gepeinigt.
Oder muss sie weiterhin die Zuflucht suchen ohne Ruh?
Und wird dann wegen ihrer Sehnsucht nach Liebe gesteinigt!?!

Oktober 2006

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Gewidmet an Neda und allen Iranerinnen und Iranern, die für ein wenig Freiheit ihr Leben lassen mussten:


NEDA, DIE STIMME IRANS

Neda, Dein blutendes Gesicht lässt mir keine Ruh.
Standest Du doch am Anfang Deines Lebens.
Wie soll ich je meinem Alltag nachgehen und einfach so tun,
Als ob Dein Leben sei erloschen vergebens.

Neda, Du, die Stimme der Freiheit Irans.
Er schoss Dich nieder ohne jegliche Gnade.
Sie sind des Bösen und des Unheils Untertan.
Sie stecken in uns wie im Speck die Made.

Neda, wolltest Du nicht nur das, was jeder Mensch sich wünscht?
Für die banalsten Rechte in Deinem privaten Leben
Wurdest Du hinterhältig und grob gelyncht.
Von Deinem Mörder, ohne Dir eine Chance zu geben.

Neda, Du bist die Stimme, die zu uns spricht.
Dein Tod soll nicht umsonst gewesen sein.
Die Welt wird nicht vergessen, was sie bekam zu Gesicht.
Wir werden Dich ehren, Deine Seele bleibt in unseren Augen rein.

Neda, ich möchte noch so vieles sagen.
Rollen mir doch wieder und wieder die Tränen über mein Gesicht.
Fühle mich so ohnmächtig, wütend, kann es kaum noch ertragen.
Führst Du uns aus der Dunkelheit wieder ans Licht?

Neda, Dein Atem wurde Dir weggeschnürt.
Und mit Dir schnürten sich unsere Kehlen zu.
Vom Kampf ins Leben in den Tod entführt.
Möge Deine Seele endlich kommen zur Ruh.

Neda, Dein Kampf soll nicht umsonst gewesen sein.
Du bist das Symbol gegen den Tyrann.
Du bist mehr als Frau, mehr als Heldin, mehr als der Kerzenschein.
Wurdest Du zur Stimme Irans!

Shir o Xorshid

Juni 2009

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